Pflanzen-Steckbrief: Das Scharbockskraut

Als es noch keine Supermärkte mit einem ganzjährigen Angebot von Superfrüchten und Supergemüse gab, waren die ersten Wildkräuter im Jahr überlebenswichtig. Nach dem langen Winter versorgten sie den geschwächten Körper unserer Vorfahren mit wichtigen Nährstoffen. Sie gaben Kraft und schenkten Zuversicht. Das wichtigste Kräutlein, was bereits am Ende des Winters geerntet werden konnte, war und ist das Scharbockskraut (Ficaria verna, früher Ranunculus ficaria). Es steckt voller Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Da es besonders reich an Vitamin C ist, wurde es auch von den Seefahrern sehr geschätzt, die bei ihren langen Reisen über das Wasser oft an Skorbut litten. „Scharbock“ ist eine alte Bezeichnung für die Krankheit Skorbut, die auf Vitamin-C-Mangel zurückzuführen ist.

Erkennungsmerkmale

Das Scharbockskraut gehört zu den Hahnenfußgewächsen. Pflanzen dieser Familie enthalten den Wirkstoff „Protoanemonin“, so das sie für Tiere giftig und manchmal auch für Menschen leicht giftig wirken (siehe Nebenwirkungen).
Das Scharbockskraut wächst gerne in Gemeinschaft. Wie ein Teppich aus goldgelben Blüten kündigt es den Frühling an. Wir finden es in Gärten, an Ufern oder im Wald. Es liebt feuchte und nährstoffreiche Böden. Die einzelne Pflanze wird 5 bis 15 cm hoch. Die Blätter sind gestielt, herz- bis nierenförmig, am Rand leicht gesägt oder gezähnt und auf der Oberseite dunkelgrün glänzend. Die goldgelben Blüten stehen einzeln am Ende der Stängel und haben 6 bis 12 glänzend gelbe Kronblätter und 3 bis 5 grüne Kelchblätter. Die Vermehrung erfolgt über den Wurzelstock und auch über Samen. Bei der Unterart ssp. bulbifera bilden sich im Mai an den untersten Blättern in den Achseln weiße Brutknospen („Bulbillen“), die nach der Reife abfallen und sich dann im Folgejahr zu Jungpflanzen entwickeln.
Die jungen Blätter treiben oft schon im Februar aus dem Wurzelstock aus, die Blüten erscheinen ab März. Im Mai zieht sich das Scharbockskraut wieder komplett in das Erdenreich zurück.

Ernte

Die jungen Blätter vom Scharbockskraut können ab Mitte Februar vor der Blüte geerntet werden. Vor, während und nach der Blüte kann das ganze Kraut zur Trocknung für Tee geerntet werden (siehe Nebenwirkungen).

Verwendung in der Wildkräuterküche

Die jungen Blätter des Scharbockskrauts enthalten viele wichtige Nährstoffe, vor allem viel Vitamin C. Für eine Frühjahrskur und zur Blutreinigung werden die Blättchen am besten frisch verzehrt. Sie haben einen leicht säuerlichen Geschmack und können auch Grünen Smoothies, Salaten, Kräuterbutter oder -quark zugegeben werden. Für den frischen Verzehr dürfen die Blätter nur vor der Blüte geerntet werden. Sobald die Pflanze blüht, bildet sie Protoanemonin, einen scharfen Stoff der empfindlichen Menschen Magen-Darm-Reizungen verursachen kann. Wegen der Scharfstoffe sollten pro Tag nicht mehr als eine Handvoll junge Scharbockskrautblätter verzehrt werden.
Die Blätter sind auch eine wichtige Zutat der Neun-Kräuter- oder Gründonnerstags-Suppe. Diese Kraftsuppe wurde traditionell im Frühjahr mit den ersten neun gesunden Wildkräutern gekocht.

Verwendung als Heilpflanze

Neben den Scharfstoffen Protoanemonin und Anemonin enthält das Scharbockskraut viel Vitamin C, Mineralstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe und Saponine.
Die Schulmedizin verwendete das Scharbockskraut nie. In der Volksheilkunde wird es frisch gegen Frühjahresmüdigkeit und Vitamin-C-Mangel eingesetzt. Zur Blutreinigung und bei Hautunreinheiten kann man einen Tee zubereiten (siehe Rezept), der auch als Sitzbad bei Hämorrhoiden verwendet werden kann.

Neben- und Wechselwirkungen

Das Scharbockskraut enthält Protoanemonin, die Konzentration ist im Wurzelstock und den Bulbillen sowie ab der Blütezeit auch in den Blättern am höchsten. Daher dürfen die Blätter für den Verzehr nur vor der Blüte geerntet werden. Der Verzehr der jungen Blätter vor der Blüte hat eine lange Tradition und wird in der Fachliteratur als unbedenklich beschrieben.
Protoanemonin wirkt schleimhautreizend und kann bei empfindlichen Menschen zu Magen- und Darmreizungen führen. Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei Trocknung zerfallen die Protoanemonine, die Droge (das getrocknete Kraut) kann also als Tee verwendet werden. Für Tiere ist das Scharbockskraut giftig!
Bei der äußerlichen Anwendung (Sitzbad, Waschung) können Hautreizungen vorkommen.

Rezepte

Rezept: Wildkräutersalat

Nun finden wir schon einige Wildkräuter, die wir wunderbar mit Salat aus dem Biomarkt mischen können.

Zutaten:
frische Wildkräuter (z. B. Gänseblümchen, Löwenzahnblätter, Vogelmiere, junge Blätter vom Scharbockskraut)
Grünen Salat (Kopfsalat, Lollo Rosso …)
Für die Salatsauce: 2 EL Öl, 1 EL Weißweinessig,
1 TL Honig, 1 TL Senf, Salz und Pfeffer

Rezept: Kräuterbutter

Zutaten:
250 g zimmerwarme Butter, 1/2 Knoblauchzehe, eine Handvoll junge Scharbockskrautblätter

Die Scharbockskrautblättchen waschen, trocken tupfen und ganz klein schneiden. Mit der zerdrückten Knoblauchzehe in die Butter einkneten und eine Stunde ziehen lassen. Eine Power-Kräuterbutter, die dich stärkt und dein Immunsystem auf Trapp bringt!

Rezept: Scharbockskraut-Tee

Zubereitung:
Zwei bis drei Teelöffel getrocknetes Scharbockskraut mit 1/4 Liter kaltem Wasser aufgießen und bis zum Siedepunkt erwärmen und dann abfiltern.

Zur Blutreinigung oder bei Hautproblemen über den Tag verteilt trinken. Bei Hämohorriden wird eine größere Menge für ein 15-minütiges Sitzbad zubereitet. Bei empfindlicher Haut ist Vorsicht geraten, da die Saponine im Scharbockskraut hautreizend wirken können.

Rezept: Frischpflanzensaft

Zutaten:
Frische, junge Scharbockskrautblätter.

Zubereitung und Anwendung:
Die Blättchen waschen und in einer Saftpresse auspressen. Einen Teelöffel pro Tag zur Blutreinigung und bei Vitamin-C-Mangel einnehmen. Mit etwas Milch ist der Saft für viele verträglicher.


Quellen:
Siegrid Hirsch & Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten
Schönfelder: Der Kosmos Heilpflanzenführer
U. Stumpf: Unsere Heilkräuter
www.kaesekessel.de

Hinweis:
Die hier angegebenen Anwendungsbeispiele und Rezepturen ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch. Die Anwendung erfolgt in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr.