Pflanzen-Steckbrief: Die Schlüsselblume

Die Schlüsselblume ist für mich die Frühlingsverkünderin des Herzens. Wenn sie ihre gelben Blüten öffnet, verströmt sie einen zarten und betörenden Duft. Diese zarte Pflanze gehört zu den Venuspflanzen. Venus zeigt ihre Signaturen in den pastellfarbenen Blüten, lieblichen Düften und frischen Frühlingsgrün. Der Sage nach öffnen die Schlüsselblumen Türen: zum Paradies, zu himmlischen Schätzen, zum Herzen und zum Frühling. Es war wohl Petrus, der uns die Schlüsselblume auf die Erde gebracht hat. Als der Himmelstorhüter aus Versehen seinen Schlüsselbund für die Himmelspforte hinunter auf die Erde fallen ließ, wuchsen dort fortan die goldgelben Schlüsselblumen. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um die Schlüsselblume, und immer geht es um den Einzug und die Verkündung des Frühlings. So zieht die germanische Frühlingsgöttin Ostara mit ihrem von Hasen gezogenen Wagen über das Land, öffnet mit den Schlüsselblumen dem Frühling die Türen und weckt die Natur. Die Pflanzen sprießen, die Vögel legen ihre Eier. Der Hase und das Ei sind Fruchtbarkeitssymbole, später wurde daraus der eierlegende Osterhase. Im Christentum wurde die Schlüsselblume der heiligen Maria und Petrus geweiht.

 

Erkennungsmerkmale und Verwechslungsgefahren

Die Schlüsselblumen gehören zu den Primelgewächsen und blühen ab der Osterzeit, meist zwischen Ende März bis in den Mai hinein. Bei uns kommen zwei Arten vor: Die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) auf mageren, kalkreichen Wiesen und meist in höheren Lagen. Sie blüht von April bis Mai. Die häufiger vorkommende Wald- oder Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) wächst bei uns auf feuchten Wiesen und in feuchten Mischwäldern. Sie blüht bereits ab März.

Die Wiesen-Schlüsselblume ist eine Staude mit einer grundständigen Blattrosette. Die Blätter sind länglich eiförmig, die Oberseite ist dunkelgrün und die Unterseite etwas heller. Die Blätter sind behaart, runzelig und verschmälern sich in den geflügelten Blattstielen. Die Blüten sind wohlriechend, sonnengelb, glockig und in einer einseitigen Dolde angeordnet.

Die Blätter der Wald-Schlüsselblume verschmälern sich gemäßigter bis zum Blattstiel, die Blüten sind größer und eher blass-gelb (siehe Bild). Sie blüht bereits ab März in unseren Wäldern.

Mit anderen Pflanzen können die Schlüsselblumen nicht verwechselt werden.

 

Verwendung in der Wildkräuterküche

Die Schlüsselblume steht unter Naturschutz, die heilkräftigen Wurzeln dürfen nicht ausgegraben werden. Wir können sie jedoch gut im Garten kultivieren, sofern wir ihr die jeweiligen Standortbedingungen bieten können.

Die zarte Blume schließt nicht nur den Frühling auf, sondern auch unseren Körper. Die Schlüsselblume zählt zu den Schleuserpflanzen und sorgt in unserem Körper dafür, dass Nähr- und Inhaltsstoffe besser aufgeschlossen und aufgenommen werden können. Das gilt insbesondere für Magnesium. So sind ihre Blüten nicht nur eine schöne und gesunde Dekoration für Süßspeisen. In einer Teemischung begleiten sie eine Frühjahrskur, die unser Blut reinigt, den Stoffwechsel anregt und den Jahreszeitenwechsel vom Winter auf den Frühling erleichtert (Schwindelgefühle, Müdigkeit etc.).

Rezept: Tee für die Frühjahrskur

Zutaten:
je 30 g Schlüsselblumenblüten, Gänseblümchenblüten, Birkenblätter und Brennnesselkraut.

Zubereitung und Anwendung:
Ein Teelöffel der Mischung mit einer Tasse heißen Wasser (90 Grad) überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen. Für eine Frühjahrskur (siehe oben) 6 Wochen lang täglich eine Tasse trinken.

Quelle: U. Bühring, Alles über Heilpflanzen (Ulmer-Verlag)

Verwendung als Heilkraut

Verwendet werden die getrockneten Wurzeln und die Blüten mit Kelch. Beide Drogen enthalten Triterpensaponine mit schleimlösender Wirkung. Sie werden bei Husten, Bronchitis, Erkältungskrankheiten sowie Stirn- und Nebenhöhlenentzündungen eingesetzt.

In der Volksheilkunde wird die Schlüsselblume umfassender verwendet. Hildegard von Bingen empfiehlt die Schlüsselblume u. a. auch bei Melancholie: „Himmelschlüssel hat alle Kraft der Sonne in sich und wenn ein Mensch traurig ist, so binde er sich das Kraut auf sein Herz und alle Traurigkeit wird vergehen“. Maria Treben schätzt die Pflanze bei Schlafstörungen, zur Herz- und Nervenstärkung, bei Migräne und Kopfschmerzen sowie zur Blutreinigung.

Rezept: Hustentee

Zutaten: 
je 20 g Schlüsselblumenblüten, Gänseblümchenblüten, Spitzwegerichblätter, Veilchenblüten und 30 g Fenchelsamen.

Zubereitung und Anwendung:
Ein Teelöffel der Mischung direkt vor der Zubereitung mörsern (wegen dem Fenchel), mit 1/4 Liter heißem (90 Grad) Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Bei Bedarf bis zu dreimal täglich eine Tasse trinken. Der Tee wirkt schleimlösend und ist sehr gut für Kinder geeignet!

Quelle: U. Bühring, Alles über Heilpflanzen (Ulmer-Verlag)

 

Rezept: Spezialtee gegen Schlaflosigkeit

Zutaten:
50 g Schlüsselblumenblüten, 25 g Lavendelblüten, 10 g Johanniskraut, 15 g Hopfenzapfen, 5 g Baldrianwurzeln.

Zubereitung und Anwendung:
Einen gehäuften Teelöffel dieser Mischung mit 250 ml heißem Wasser überbrühen und drei Minuten ziehen lassen. Vor dem Schlafengehen trinken.

Quelle: Maria Treben, Die Apotheke Gottes

 


Hinweis:
Die hier angegebenen Anwendungsbeispiele und Rezepturen ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch. Die Anwendung erfolgt in eigener Verantwortung.